Fetischist, ja oder nein? Wie seht ihr euch?

Fetischist, ja oder nein? Wie seht ihr euch?

  • Ja, ich sehe mich als "Fetischist"

    Stimmen: 282 63,4%
  • Nein, ich sehe mich nicht als "Fetischist"

    Stimmen: 132 29,7%
  • Weiß nicht

    Stimmen: 31 7,0%

  • Umfrageteilnehmer
    445
Ich fand Strumpfhosen schon immer anziehend. Eine Frau in Strumpfhosen ist für mich anziehender als ohne. Es war auch das erste was ich selbst getragen habe. Sehe es schon als fetisch.
 
Ich hole das Thema mal wieder hoch, weil ich die Frage eigentlich gar nicht so leicht zu beantworten finde.

Für mich ist der Begriff Fetisch erst einmal nichts Schlimmes. Schwierig wird es für mich eher dann, wenn man dadurch sofort in eine Schublade gesteckt wird oder wenn alles nur noch auf diesen einen Punkt reduziert wird.

Bei Strumpfhosen ist das ja sowieso ein etwas spezielles Thema. Feinstrumpfhosen werden heute meist sehr stark mit Frauen verbunden. Bei dickeren Strümpfen, Wollstrumpfhosen oder wärmender Beinbekleidung sieht das aber schon wieder anders aus. Da gab es durchaus Zeiten und Bereiche, in denen Männer so etwas getragen haben, ohne dass daraus gleich ein großes Drama gemacht wurde.

Irgendwann ist das modisch und gesellschaftlich aber ziemlich auseinandergegangen. Gerade als Junge oder heranwachsender Mann bekommt man dann schnell mit: Das gehört sich nicht, das passt nicht, das ist irgendwie nicht vorgesehen. Und genau dadurch wird aus etwas, das man eigentlich mag, plötzlich etwas Heimliches.

Ich glaube, gerade dieses Heimliche kann den Reiz dann auch noch verstärken. Man fragt sich, wird es bemerkt, wird es nicht bemerkt, wie reagieren andere darauf. Das kann natürlich einen gewissen Kitzel haben.

Trotzdem finde ich es auf Dauer schöner, wenn es nicht nur etwas Heimliches bleibt. Wenn man es irgendwann mehr als Teil von sich selbst annimmt, wird es ruhiger und selbstverständlicher. Der Reiz verschwindet dadurch nicht unbedingt, er verändert sich nur.

Wenn ich auf mich selbst schaue, fand ich Strumpfhosen und besonders auch Wollstrumpfhosen eigentlich schon immer interessant, angenehm und schön zu tragen. Da spielt für mich vieles zusammen: Material, Wärme, Tragegefühl, Optik, Erinnerung, Alltag und natürlich auch ein besonderer Reiz.

Ob man das nun Fetisch nennt oder nicht, ist für mich gar nicht der wichtigste Punkt. Ich würde mich gegen den Begriff nicht wehren, aber ich würde mich auch nicht nur darauf reduzieren lassen.

Am Ende kommt es für mich eher darauf an, wie man selbst damit umgeht. Ob man sich dafür schämt, ob man es ständig wegdrückt oder ob man irgendwann sagen kann: Ja, das gehört eben auch zu mir.

Für mich hat das viel mit Selbstakzeptanz zu tun. Es muss nicht das ganze Leben bestimmen, aber es darf seinen Platz darin haben.
 
Mir gefällt Kink besser als Fetisch. "Kink" ist für mich ein liebenswerter Spleen, während ich mit dem Wort "Fetisch" eher etwas zwanghaftes verbinde. Das ist aber meine ganz eigene Leseart.

Beim "Kink" geht es ja um Verhalten, was vom Mainstream abweicht. Dieser ist aber fluide. Vor einigen Jahrzehnten waren z.B. Tattoos fast nur bei einer speziellen Subkultur verbreitet. Heute ist das absolut verbreitet und in manchen Altersgruppen sogar mehrheitlich.
 
Selbst bin ich ein "Fetischist-Light". Erst das Verstecken und der Reiz des Verbotenen reizen mich im Besonderen: Viel getragen wird es für mich einfach zu einem gern berührten Material mit interessantem Tragegefühl. Daher erlaube ich mir das Ausleben nur an wenigen Tagen und dann bleibt es auch beim "gefühlsmäßigen Knistern". — Wobei ich anmerken muss, mit 58 Lenzen sprühen die Funken nimmer so wild und weit wie mit 30 …
 
Zuletzt bearbeitet:
Selbst bin ich ein "Fetischist-Light". Erst das Verstecken und der Reiz des Verbotenen reizen mir den besonderen: Viel getragen wird es für mich einfach zu einem gern berührtes Material mit interessantes Tragegefühl. Daher erlaube ich mir das Ausleben nur an wenigen Tagen und dann bleibt es auch beim "gefühlsmäßigen Knistern". — Wobei ich anmerken muss, mit 58 Lenzen sprühen die Funken nimmer so wild und weit wie mit 30 …
Ui, das ist auch mal ein interessanter Aspekt.

Sich das Besondere dadurch zu bewahren, dass man es nur gelegentlich auslebt, kann ich durchaus nachvollziehen. Das hat schon seinen Reiz und ist sicher auch eine gute Möglichkeit, damit umzugehen.

Für mich selbst wäre das vermutlich nichts mehr. Bei mir gehört es inzwischen zu sehr dazu. Und ich glaube, so viel Selbstbeherrschung würde ich gar nicht aufbringen. Das würde wahrscheinlich nicht lange gutgehen, und dann wäre ich wieder mittendrin.
 
Mir gefällt Kink besser als Fetisch. "Kink" ist für mich ein liebenswerter Spleen, während ich mit dem Wort "Fetisch" eher etwas zwanghaftes verbinde. Das ist aber meine ganz eigene Leseart.

Beim "Kink" geht es ja um Verhalten, was vom Mainstream abweicht. Dieser ist aber fluide. Vor einigen Jahrzehnten waren z.B. Tattoos fast nur bei einer speziellen Subkultur verbreitet. Heute ist das absolut verbreitet und in manchen Altersgruppen sogar mehrheitlich.
Danke dir für den Gedanken mit dem Begriff Kink.

Ich muss ehrlich sagen, den Begriff hatte ich so für mich bisher gar nicht richtig auf dem Schirm. Ich habe mich jetzt mal kurz dazu belesen, und wenn man sich die Unterschiede etwas genauer anschaut, finde ich das schon interessant.

Nach dem, was ich jetzt so gelesen habe, würde es bei mir vermutlich tatsächlich eher in Richtung Kink gehen als klassisch in Richtung Fetisch. Wobei es bei mir eben schon sehr stark mit meinem Alltag, meinem Kleidungsgefühl und meiner persönlichen Vorliebe verbunden ist.

Gerade deshalb finde ich diese Begriffe auch gar nicht so einfach. Fetisch klingt für viele sofort sehr festgelegt oder schwer, während Kink auf mich erst einmal etwas offener wirkt. Zumindest nach meinem ersten Eindruck.

Bei mir ist es jedenfalls nicht nur ein einzelner Reizpunkt, sondern eher eine Mischung aus Tragegefühl, Material, Wärme, Optik, Erinnerung, Alltag und natürlich auch einem besonderen Reiz.

Ich werde mich da auf jeden Fall noch etwas mehr einlesen. Spannendes Thema, und danke für den Input.
 
@Derd schöne Gedanken, gute Analyse... ich gehe das ziemlich mit. Darf ich fragen, in welche Altersklasse du gehörst?
 
@Derd schöne Gedanken, gute Analyse... ich gehe das ziemlich mit. Darf ich fragen, in welche Altersklasse du gehörst?
Hallo Martin,

ja, gerne darfst du fragen.

Ich gehöre so Pi mal Daumen zur Altersklasse Ü40. Rein vom Kalender her zumindest. Im Kopf bin ich allerdings definitiv jünger, als das Datum behauptet.

Grüße
Dirk
 
Danke dir für den Gedanken mit dem Begriff Kink.
Ich bin nicht sicher ob ich genau weis was ist "kink" aber ich habe gelesen einmal in der "autobiografia" von Miles Davis das er schreibt "I had kinky sex" und explains it that it means with more woman all together.
Okay die autobiografie ist shaise und er selber hat gesagt "I didn´t write it" :emoji_blush:
 
Ich bin nicht sicher ob ich genau weis was ist "kink" aber ich habe gelesen einmal in der "autobiografia" von Miles Davis das er schreibt "I had kinky sex" und explains it that it means with more woman all together.
Okay die autobiografie ist shaise und er selber hat gesagt "I didn´t write it" :emoji_blush:
Ich würde es für mich so beschreiben: Eine Strumpfhose ist für mich zuerst einmal ein ganz normales Kleidungsstück, das ich einfach unheimlich gerne trage. Sie gehört bei mir zum Alltag dazu und ist nichts, was nur in eine bestimmte Ecke gehört.

Gleichzeitig hat sie für mich aber natürlich auch eine besondere, reizvolle Seite. Gerade wenn man das mit einer Partnerin oder einem Partner teilt, kann daraus etwas sehr Schönes entstehen. Dann ist es nicht nur Kleidung, sondern auch etwas Spielerisches, etwas Persönliches, etwas, das Nähe und einen besonderen Kick geben kann.

Darum finde ich den Begriff Kink an der Stelle gar nicht so unpassend. Nicht in dem Sinne, dass ohne Strumpfhose gar nichts mehr gehen würde, sondern eher als besondere Vorliebe, die etwas zusätzlich bereichern kann.

Bei mir ist es also nicht nur Fetisch und auch nicht nur Mittel zum Zweck. Es ist Kleidungsstück, Vorliebe, Reiz und Normalität zugleich.
 
Ich bin nicht sicher ob ich genau weis was ist "kink" ...
Das Wort „Kink“ kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie „eine spezielle oder außergewöhnliche sexuelle Vorliebe“. Alles, was nicht der „Normalvorstellung“ entspricht, wird somit liebevoll als „Kink“ oder „kinky“ bezeichnet. Ebenso sind Personen, die derartige Vorlieben haben, „kinky“ oder „Kinkster“. Eine Person, die von sich sagt, sie hat „kinky Vorlieben“ oder pflegt einen „kinky Lifestyle“, ist damit meist gut im Reinen und identifiziert sich gerne damit.
(Quelle: besserlieben.de)
 
Das Wort „Kink“ kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie „eine spezielle oder außergewöhnliche sexuelle Vorliebe“. Alles, was nicht der „Normalvorstellung“ entspricht, wird somit liebevoll als „Kink“ oder „kinky“ bezeichnet. Ebenso sind Personen, die derartige Vorlieben haben, „kinky“ oder „Kinkster“. Eine Person, die von sich sagt, sie hat „kinky Vorlieben“ oder pflegt einen „kinky Lifestyle“, ist damit meist gut im Reinen und identifiziert sich gerne damit.
(Quelle: besserlieben.de)
Ich lebe ja schon viele Jährchen in Deutschland, aber ... einst in UK kenne ich die Bedeutung von

kinky

unter der Rubrik unkonventionelle sexuelle Vorlieben, Fantasien und Praktiken, die von der erlauchten Gesellschaft nicht als Norm angesehen werden. Fetischismus gehörte dazu. Das hatte mir meine damals zweite Freundin, direkt nach einem "pervers" um die Ohren gehauen, als ich sie bat, die Strumpfhose beim Petting nicht sofort auszuziehen. Das war bei mir also immer in der Rubrik Sexualität zu finden.

kink

ist eher die harmlosere Variante, eine Vorliebe, die besonders den Sex für beide Partner aufwerten kann, aber keine strikte Vorbedingung ist.

Eventuell hat sich die Begrifflichkeit ja geändert.
 
Ich lebe ja schon viele Jährchen in Deutschland, aber ... einst in UK kenne ich die Bedeutung von

kinky

unter der Rubrik unkonventionelle sexuelle Vorlieben, Fantasien und Praktiken, die von der erlauchten Gesellschaft nicht als Norm angesehen werden. Fetischismus gehörte dazu. Das hatte mir meine damals zweite Freundin, direkt nach einem "pervers" um die Ohren gehauen, als ich sie bat, die Strumpfhose beim Petting nicht sofort auszuziehen. Das war bei mir also immer in der Rubrik Sexualität zu finden.

kink

ist eher die harmlosere Variante, eine Vorliebe, die besonders den Sex für beide Partner aufwerten kann, aber keine strikte Vorbedingung ist.

Eventuell hat sich die Begrifflichkeit ja geändert.
Danke dir, das finde ich gerade wegen der Wortbedeutung sehr spannend.

So wie du es beschreibst, kann ich mir gut vorstellen, dass der Begriff aus dieser englischen Bedeutung heraus entstanden ist und dann irgendwann auch bei uns angekommen ist. Viele englische Begriffe wandern ja mit der Zeit in den deutschen Sprachgebrauch hinein und verändern sich dabei manchmal ein bisschen.

Deine Unterscheidung klingt für mich auch nachvollziehbar. Kinky eher als Bereich für unkonventionelle Vorlieben, Fantasien und Praktiken, und Kink dann etwas offener oder harmloser verstanden. Also eher als besondere Vorliebe, die etwas reizvoller machen kann, aber nicht zwingend eine feste Voraussetzung sein muss.

Gerade das macht den Begriff für mich interessant. Fetisch klingt im Deutschen oft sofort ziemlich schwer und festgelegt, während Kink nach deiner Beschreibung etwas mehr Spielraum lässt.

Vielleicht hat sich die Begrifflichkeit da wirklich über die Jahre verändert, so wie du es am Ende schreibst. Oder sie wird heute einfach etwas lockerer verwendet.

Danke dir für die Erklärung. Das hilft mir gerade tatsächlich, den Begriff für mich besser einzuordnen.
 
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