WIEDER SPÜREN — Eine andere Art, sich selbst am Körper zu erleben

Velar

Frischling
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männlich
In meiner Vorstellung habe ich drei persönliche Gedanken erwähnt, die aus meiner Beziehung zu Nylon entstanden sind. Dies ist der erste.


WIEDER SPÜREN.


Für mich beginnt es nicht unbedingt mit Erregung. Manchmal beginnt es viel früher, fast unbemerkt.


Es gibt Tage voller Gedanken, Arbeit und Verantwortung, mit einem Rhythmus, der kaum Raum dafür lässt, den eigenen Körper wirklich wahrzunehmen. Dann kommt ein Moment, in dem der Lärm leiser wird, ich allein bin und endlich zur Ruhe kommen kann.


Und dann kehrt dieses Gefühl zurück, das ich seit sehr vielen Jahren kenne.


Nylon in die Hände nehmen. Seine Leichtigkeit, seine Transparenz, den feinen Stoff zwischen den Fingern spüren. Ihn über die Haut gleiten lassen. Spüren, wie das Material am Bein nach oben gleitet, sich anschmiegt, es umhüllt, seiner Form folgt und auch optisch seine Linie verändert.


Es ist nicht einfach nur etwas, das man anzieht.


Es ist ein Spüren.


Und dann kommen für mich auch die High Heels dazu.


Dabei geht es nicht nur darum, wie sie aussehen. Der Fuß steht anders, die Körperhaltung verändert sich, das Bein bekommt eine andere Linie, und auch die Art, wie sich der Körper bewegt und Raum einnimmt, verändert sich.


Es sind scheinbar kleine körperliche Veränderungen, und doch bewirken sie eine viel intensivere Wahrnehmung.


Die Bewegung wird bewusster. Die Aufmerksamkeit wird ruhiger. Ich nehme meine Beine, die Berührung des Stoffes, den Stand des Fußes und meine Haltung deutlicher wahr. Der Körper, auf den ich im Alltag oft kaum achte, wird plötzlich wieder ganz präsent.


Und genau das hat mich im Laufe der Jahre immer mehr fasziniert: Ich ziehe nicht einfach nur etwas an. Ich spüre meinen Körper auf eine andere Art.


Ich habe dabei nicht das Gefühl, jemand anderes zu werden. Ich bin immer noch ich.


Es ist vielmehr, als würde ich tiefer in die Wahrnehmung meiner selbst eintauchen und Empfindungen Raum geben, die ich schon lange kenne, die im Alltag aber oft unter der Oberfläche bleiben.


Vielleicht habe ich diesen Gedanken genau deshalb „Wieder spüren“ genannt.


Denn Nylon ist für mich nicht nur etwas zum Anschauen und auch nicht nur Erotik. Es ist ebenso Berührung, das Gefühl des Umhülltseins, Bewegung, Haltung und Wahrnehmung. Etwas, das zumindest für einen Moment verändern kann, wie ich mich in meinem eigenen Körper spüre.


Ich bin gerade erst hier angekommen und kann mir gut vorstellen, dass viele von euch im Laufe der Jahre bereits über ähnliche Empfindungen geschrieben und diskutiert haben. Ich werde Zeit brauchen, um zu lesen, euch kennenzulernen und eure eigenen Wege zu entdecken.


Deshalb möchte ich diesen ersten Gedanken nicht in eine Reihe von Fragen verwandeln. Ich möchte ihn einfach mit euch teilen und Raum für einen offenen Austausch lassen.


Es interessiert mich sehr, durch eure Erfahrungen zu entdecken, wie persönlich meine Art, Nylon zu erleben, tatsächlich ist – und wie viel davon wir vielleicht miteinander teilen.


Velar
 
... Die Bewegung wird bewusster. Die Aufmerksamkeit wird ruhiger. ...

... Der Körper, auf den ich im Alltag oft kaum achte, wird plötzlich wieder ganz präsent.
... Ich spüre meinen Körper auf eine andere Art.
... Es ist vielmehr, als würde ich tiefer in die Wahrnehmung meiner selbst eintauchen und Empfindungen Raum geben, die ich schon lange kenne, die im Alltag aber oft unter der Oberfläche bleiben. ...
Auf der einen Seite freue ich mich für dich, dass es dir mit Hilfe von Nylon und Schuhe gelingt zu mehr Aufmerksamkeit für dich und deinen Körper zu gelangen. Auf der anderen Seite wünsche ich dir, dass dir dies auch ohne Nylon oder anderer Kleidung gelingen kann und du die Achtsamkeit für dich und deinen Körper mehr und besser in deinen Alltag integrieren kannst, ohne dabei auf bestimmte Stoffe angewiesen zu sein.
Vor allen mit körpertherapeutischen Methoden lässt sich das durchaus erlernen. Solltest du mehr darüber wissen wollen und Fragen dazu haben sprich mich an, ich habe diesbezüglich eine entsprechende Qualifizierung.
 
Auf der einen Seite freue ich mich für dich, dass es dir mit Hilfe von Nylon und Schuhe gelingt zu mehr Aufmerksamkeit für dich und deinen Körper zu gelangen. Auf der anderen Seite wünsche ich dir, dass dir dies auch ohne Nylon oder anderer Kleidung gelingen kann und du die Achtsamkeit für dich und deinen Körper mehr und besser in deinen Alltag integrieren kannst, ohne dabei auf bestimmte Stoffe angewiesen zu sein.
Vor allen mit körpertherapeutischen Methoden lässt sich das durchaus erlernen. Solltest du mehr darüber wissen wollen und Fragen dazu haben sprich mich an, ich habe diesbezüglich eine entsprechende Qualifizierung.
Vielen Dank, dein Kommentar hat mich neugierig gemacht, auch weil ich glaube, dass du einige Passagen meines Textes aus einer Perspektive gelesen hast, die ich selbst bisher nicht betrachtet hatte. Mich würde interessieren, was du genau unter körpertherapeutischen Methoden verstehst und was du in den von mir beschriebenen Empfindungen wiedererkannt hast, das dich an einen solchen Ansatz denken ließ.
 
Vielen Dank, dein Kommentar hat mich neugierig gemacht, auch weil ich glaube, dass du einige Passagen meines Textes aus einer Perspektive gelesen hast, die ich selbst bisher nicht betrachtet hatte. Mich würde interessieren, was du genau unter körpertherapeutischen Methoden verstehst und was du in den von mir beschriebenen Empfindungen wiedererkannt hast, das dich an einen solchen Ansatz denken ließ.
Auch ich bin sehr daran interessiert was du @Krabat genau meinst um zu wissen ob das auch für mich ein neuer Ansatz ist meinem Körper mit mehr Achtsamkeit zu begegnen bzw. in meinem Fall auch als Ganzes und vollständige Einheit wahrzunehmen… Danke schonmal
 

das kann ganz viele verschiedene Ebenen haben. Hier nur ein paar stichwortartig skizzierte Beispiele.

a) Unterdrückung von selbstregulierenden Körperimpulsen.

Wenn ihr kleine Kinder beobachtet erkennt ihr leicht das diese emotionale oder körperliche Zustände mit diversen körperlichen Impulsen regulieren. Sie weinen, sie dehnen und strecken sich, sie gähnen, sie atmen laut und tief ein und aus, sie seufzen, sie trampeln mit Füßen, klopfen mit Fäusten, wirbeln herum, drehen sich im Kreis, rennen wild rum, schreien, rufen, stöhnen und vieles mehr.
Diese Körperimpulse sind Impulse um emotionale bzw. körperliche Zustände wie z.b. Müdigkeit, Langeweile, Ärger, Trauer, Freude, Schmerzen, Anspannungen, Streß, Verspannungen, ausbleibende Bedürfnisbefriedigungen und vieles mehr zu regulieren. Als Kleinkinder können wir das noch spontan und ohne Anleitung. Je älter wir werden um so mehr verlernen wir diese Formen der Selbstregulierung, zum Großteil aus "benimm dich Gründen", spätestens dann in der Schule und im Berufsleben. Man springt nicht mehr auf wenn man unruhig ist, sondern bleibt brav sitzen. Man gähnt nicht wenn der Kollege seinen Vortrag hält, sondern unterdrückt diesen Impuls. Wenn du in der Konferenz sitzt und dir tut dein Kreuz weh stehst du nicht einfach auf und streckst dich und wenn du dich über deinen Chef ärgerst stampfst du nicht wütend mit dem Fuß wenn er daneben steht, usw. Das geht sogar soweit das wir unseren Atem in der Regel immer flacher halten, wir atmen vor allen in Gruppen und in engen öffentlichen situationen nicht mehr tief, sondern nur noch flach im oberen Bereich des Körpers. Wenn wir außer Atem sind, werden wir dies in bestimmten Situation nicht zeigen, Das selbe gilt z.b. für sich strecken, aufstehen, herumlaufen, stöhnen, seufzen, schreien und anderen körperregulierenden Bewegungen und Handlungen bei Verspannung, bei Stress, in privaten oder beruflichen angespannten Situationen und vielen mehr. Man "reisst sich zusammen".
Auf diesen Weg lernen wir nicht nur selbstregulierende Bewegungen, Tätigkeiten und Geräusche zu unterdrücken, sondern wir verlernen auch die Ursachen dafür, z.B. bestimmte Gefühle und körperliche Zustände wie Verspannungen, überhaupt wahrzunehmen. Z.B. je flacher ich atme um so weniger spüre ich mich. Wir üben im Gegenteil ein, diese Gefühle und körperlichen Spannungen immer mehr zu ignorieren und merken ihre Auswirkungen daher oft erst wenn es zu spät ist und wir plötzlich dringend medizinische oder seelsiche Hilfe brauchen.

b) Verlust der Durchlässigkeit und Körperverpanzerung.

Beobachtet mal bei starken Sturm eine Eiche und im Vergleich dazu eine schlanke Weide oder Grashalme. Die starken Bäume stehen steif gegen den Wind, während sich schlankere biegsame Bäume und das Gras im Wind biegen. Dabei ist auffällig das die starken Bäume bei schweren Sturm eher brechen und umfallen, während die biegsame Weide und erst recht das biegsame Gras im Boden bleiben und den Sturm überleben. Diesen Prozesse nennt man Durchlässigkeit. In der Körpertherapie üben wir z.b. mit Hilfe von leichten Boxschlägen eine entgegenkommende Kraft nicht "einzustecken" sondern sie durch sich durchzulassen. Ich mach mich also nicht steif und hart wie die Eiche und stelle mich so den Schlag entgegen, sonderen ich schwinge mit dem Schlag wie eine Weide im Sturm mit und pendle dann wieder zurück.
Unsere Gesellschaft und auch wir selbst verlangen von uns das wir funktionieren. Das führt dazu das wir zwar gut darin sind uns körperlich anzuspannen und hart zu machen, aber eher schlecht darin sind uns zu entspannen und weich zu sein. Die Folgen: Je nach Charakter laufen wir z.B. mit durchgedrückten Knien, steifen Becken, zusammengekniffenen Pobacken, eingezogenen Bauch, aufgeblähte oder eingezogener Brust, mit unterschiedlichen steifen Rücken, Armen oder Kopfhaltungen.
Besondern bei Männern in Berufen in denen Emotionen nicht gezeigt werden dürfen, also bei sogenannten harten Männern wie Soldaten, Polizisten, Feuerwehr- und Rettungsmännern, aber auch bei Managern, Führungspersonen bis hin zum Politiker, also bei Männern (zum Teil auch bei Frauen) die stark sein müssen, cool bleiben sollen, potent sein sollen, alles im Griff haben sollen, alle Probleme lösen sollen, usw. , all diese Menschen unterdrücken Emotionen wie Hilflosigkeit, Ohnmacht, Schwäche, Ängste, Furcht, Ratlosigkeit, Fehler, usw.
Diese dürfen und sollen nicht sein, sie werden weggedrückt. Dies führt zu einer zunehmenden Verhärtung des Gewebes, der Muskeln, zu einer zunehmenden permanenten Körperverspannung. In der Körpertherapie sprechen wir hier von Verpanzerung. Weiter Infos dazu z.B. hier* https://koerpertherapie-skan.de/vertiefung/panzerung oder https://www.paracelsus.de/magazin/ausgabe/201602/der-muskelpanzer-in-der-koerperpsychotherapie

c) Wahrnehmung:

In unserer Sozialisation verlieren wir aus den oben beschriebenen Gründen und aus weiteren Gründen die Wahrnehmung für unsere Gefühle und unsere körperlichen Zustände. Mit Hilfe des Nylons, der Schuhe usw. gelingt es dir in andere körperliche Zustände und Wahrnehmungen zu kommen, z.B. kann es sein, dass die Schuhe dich anderes gehen lassen und du deine Hüfte "weiblicher" bewegst, dich also in deine Hüften wiegst, dadurch kann dein Schließmuskel sich lockern, deine Beckenmuskeln werden weich und bewegen sich anders usw. Dadurch verändert sich deine Wahrnehmung für deinen Körper.
Das gleiche kann sein wenn du dir Strumpfhosen anziehst. Es kann sein das du dann deine Knie nicht mehr so durchdrückst, deine Füße anders hälst, anders oder weniger anspannst, dein Becken lockerer wird usw., dass du mehr wie ein Grashalm federst und nicht mehr so steif wie eine Eiche da stehst oder dich bewegst. Oder wie du es beschreibst du generell in diesen Momenten bewusster auf deinen Körper achtest als du es sonst im Alltag tust. Und schon dieses bewusster auf deinen Körper achten kann dazu führen, dass du ganz von selbst bestimmte Haltungen änderst. Dass du (vermutlich ohne es zu merken) die ein oder andere selbstregulierende Körpertätigkeit vornimmst. Das du dir z.b. selbst erlaubst weicher und durchlässiger zu sein oder anderes.

c) Übungen:

Das erste was man körpertherapeutisch machen kann, ist den Klienten zu unterstützen, das er seinen Körper besser wahr nimmt.
Dass geht in der Regel so, dass er zuerst im sitzen auf seinen Atem achtet und versucht sich bewusst ein- und ausatmen zu lassen und zwar immer erst dann wenn er Luft braucht, bzw diese raus will. Aber dabei soll er tief, quasi in den ganzen Körper hinein atmen. Danach sollte er Kontakt zu seinen Herzschlag aufnehmen und versuchen diesen zu spüren. Im Folgenden sollte er in Verbindung mit seinen Atem und Herzschlag bleiben. Denn jetzt wird er aufgefordert aufstehen und (möglichst barfuß in leichter Kleidung) durch den Raum (oder über die Wiese) zu gehen und dabei seinen Körper von unten nach oben durchgehen und versuchen jedes Körperteil einfach nur wahrzunehmen, so wie es gerade ist.
Besondere Aufmerksamkeit finden dabei Füße, Knie, Becken, Rücken, Bauch, Brust, Arme, Hals und Kopf. Dabei gilt erstmal: Es gibt kein falsch oder so richtig. Sondern es geht erstmal nur darum akzeptierend wahrzunehmen wie es ist, wie es sich anfühlt.
Allerdings kann man wenn man einen Körperimpuls hat (z.B. sich strecken oder gähnen usw.) gerne schon mal ausprobieren wie es sich anfühlt, wenn man diesen Impuls mal einfach folgt, anstatt ihn wegzudrücken. In körpertherapeutisch orientierten Wochenendseminaren haben wir diese Selbstwahrnehmungsübungen in der Regel zweimal am Tag für ca. eine halbe Stunde lang durchgeführt.

Später wird dann die oben beschriebene Selbstregulierung geübt. Wir erforschen körperlich wie man durch Körperbewegungen, Geräuschen und anderen Impulsen sich z.b. in Verspannungssituationen, in Schrecksituationen, in Streßsituationen usw. so regulieren kann, dass man entspannt und durchlässig wie der Grashalm bleibt.

Vielleicht erstmal soweit. Ich hoffe ich konnte mich verständlich erklären. Weitere körpertherapeutische Übungen haben dann z.B. mit Integration von Aggression, Verstärkung sexueller Energie, Heilung von seelischen Verletzungen und traumatischen Erlebnissen, Zugehörigkeit zur Gruppe, Initiation in einen neuen Lebensabschnitt, Selbstwertstärkung, Aufarbeitung von Eltern-Beziehungen und Anderes zu tun und gehören deshalb nicht hier her.

* Achtung ich bin kein Skantherapeut und auch kein Physiotherapeut. Ich weiß nicht ob die Männer, von denen diese Artikel stammen, gute Arbeit machen. Ich glaube auch nicht, dass es möglich ist Körperverpanzerung alleine mit Massagen zu heilen, denn es Bedarf der Aufarbeitung der erlittenen seelischen Belastungen. Gerade im Bereich der therapeutischen Körperarbeit gibt es leider auch viele "esoterische Scharlatane" die nicht wirklich wissen was sie tun. Ein Qualitätskriterium sollte immer sein, dass der Therapeut dich in deiner eigenen Selbstregulierung unterstützt. Er gibt nur Empfehlungen, aber du selbst bist der Experte für dich und weisst daher am besten was jetzt richtig ist und was nicht. Meine Klienten haben daher die Empfehlung gegebenfalls auch gegen meine "Anleitungen" zu handeln. Also z.B. wenn ich sage: "steh auf und geh im Raum herum" und er merkt dass es für ihn gerade besser ist sitzen zu bleiben, dann sollte er das auch tun. Aufstehen kann er später, wenn es für ihn besser passt immer noch ausprobieren.
Ein Körpertherapeut der seine Klienten nicht diese Möglichkeit der eigenen Regulierung und Gestaltung einräumt und dise so gut es geht fördert, ist in seiner Grundhaltung meiner Meinung nach kein guter Therapeut.
 
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