Bin ich Crossdresser?

Der erste Link ist schon ein wenig kopflastig. Er geht aber von zwei Geschlechtern aus, die sich gegenseitig im Kleiderschrank des anderen bedienen. Der zweite Artikel ist eigentlich absolut unlogisch. Er geht von einer Geschlechtersanzahl > 2 aus, wobei es kein Ende gibt. Somit gibt es gar kein Crossdressing mehr. Jeder, der etwas anzieht, z. B. Damenbluse, Strumpfhosen und Herrenschuhe (weil es keine Damenschuhe in 49 3/4 gibt), definiert einfach sein eigenes Geschlecht 386 und erklärt sein Outfit als geschlechtsspezifisch. Nur dumm, dass auf der Strasse niemand weiss, dass es ausser Frauen und Männern noch das Geschlecht 386 gibt.
So richtig erhellend sind beide Definitionen nicht.
 
Nur dumm, dass auf der Strasse niemand weiss, dass es ausser Frauen und Männern noch das Geschlecht 386 gibt.
Ja, doof was? Sollte doch inzwischen bei jedem nur irgendwie denkendem Menschen angekommen sein, auch bei der letzten Gehirn-Amöbe, und zu einer ganz normalen Realität geworden sein. Ist doch und wird noch "lang und schlapp" immer wieder in den Medien breitgetreten und das seit Jahrzehnten inzwischen. Traurig das es immer noch nicht gesellschaftlich akzeptiert und respektiert wird.
 
:emoji_disappointed_relieved:
Ich beschreibe ja nur den Status Quo. Das Kind kommt aus der Mutter und da ist alles binär. Alle anderen Geschlechter kommen später. Die Einteilung „auf der Strasse“ funktioniert genauso. Siehst du aus, wie eine Frau, ist ein Rock für dich ok, ansonsten eher nicht. Es trägt ja keiner ein Schild vor sich her: „Ich lese mich als Frau“.
Sowas über Medien in die Köpfe pressen zu wollen und Andersdenkende als altmodische Idioten oder Gehirn-Amöben zu beschimpfen, ist sicher ein Weg, um radikale Standpunkte zu verstärken. Niemand will ständig erzählt bekommen, dass er blöd ist. Viele reagieren dann radikal und wählen auch so. Ich nicht. Nicht, dass du das als nächstes unterstellst.
Mir ist es egal, ob sich jemand als dies oder jenes fühlt. Jeder darf machen, was er mag. Er muss im Rahmen der Gesetze bleiben und sollte andere nicht bekehren wollen, wenn sie das nicht wollen. Ich kleide mich auch nicht immer so, wie es von Männern binär erwartet wird. Ich gehe damit den anderen aber hoffentlich nicht auf den Zeiger, indem ich ständig auf meinem verfassungsmässigesn Recht bestehe. Das Zauberwort ist leben und leben lassen.
Denk mal darüber nach.
 
tl;dr: Mit meiner Form des Cross Dressings ist ein Ausdruck meiner Ablehnung der gesellschaftlichen Geschlechternormen, ohne mich dabei zu "Verkleiden" oder meinen Körper als biologischer cis-Mann zu verleugnen. Ich habe den Eindruck, dass ich da irgendwie selbst in dem kleinen Cosmos des CD/TV etwas allein bin.

Jetzt bin ich fast ein Jahr auf dieser Platform und der Austausch hilft mir sehr. Danke dafür und die vielen Anregungen, die ich sammeln darf! Ich habe auch viel über mich, meine Motivation fsh zu tragen und warum ich das mache, nachgedacht.

Die folgenden Gedanken passen irgendwie zu dem Titel dieses älteren Threads, aber nicht zu den letzten Posts. Also ein ein neuer Gedanke zum alten Titel.

Ich selbst habe große Schwierigkeiten, mich in irgendeine Box einzuordnen, daher geht es mir auch weniger um die Frage "Bin ich ein Cross Dresser?" oder was auch immer. Das ist mir im Grunde auch egal. In diesem Kontext habe ich mich mit einigen hier um Forum ausgetauscht, aber auch viele Dokus oder Texte gesehen und gelesen und habe mich sehr selten wiedergefunden. Was mich tatsächlich ein bißchen irritiert.

Bei fast allen Dokus und Texten die ich dazu gelesen habe, schlüpfen die Protagonisten mit Cross Dressing in eine andere Rolle, vielleicht auch in ein anderes Leben; fast immer damit verbunden, sich "wie eine Frau zu fühlen", "weiblich" zu sein. Das geht meist einher mit einer Perücke und vielleicht auch mit formenden Teilen unter der Kleidung. Also tatsächlich einer sogar äußerlich wahrnehmbaren Verwandlung, ja im Grunde fast einer Verkleidung. Oft wird berichtet, dass sie damit in eine Art Alter Ego schalten. Ein Übergang von einem Modus in einen anderen. Viele berichten, dass sie sich en femme freier fühlen, wie eine Art Auszeit aus dem normalen Leben. Diese Form der "zwei Existenzen" scheint bei vielen da zu sein. Die extremere Form, bei dem sich die Protagonisten in einem "falschen Körper" fühlen und vielleicht sogar darunter leiden, lasse ich hier mal aus. Ein kleiner Disclaimer: Ich will nicht andere beschreiben oder darüber urteilen; dieser Absatz war einleitend zu meinen folgenden Gedanken:

Mein "Ding" scheint weit weniger vertreten zu sein und ich frage mich, ob es hier wohl ähnlich "jecke" User gibt, wie mich... Wenn ich fsh trage, oder einen Rock, ein Kleid, vielleicht auch Schmuck und MakeUp, dann schlüpfe ich nicht in eine andere Rolle. Ich bin dann nur in einer anderen Stimmung. Kennt vermutlich jeder "Normalo": Man steht vorm Kleiderschrank und überlegt sich, in welchem Hemd fühle ich mich heute wohl? Bei mir ist die Auswahl halt größer. Theoretisch, denn die "andere" Kleidung trage ich nur sehr selten und vor allem noch seltner öffentlich (s. mein Profil dazu). Dabei verkleide ich mich aber nicht und schlüpfe auch nicht in ein Alter Ego.

Ich bin biologisch ein cis-Mann und das gefällt mir. Ich hadere aber sehr mit all den gesellschaftlichen Normen, die die Gesellschaft mit den Geschlechtern verbunden hat. Im alltäglichen Leben bin ich definitiv kein Macho. Und ich vermeide es z.B. auch, breitbeinig auf einem Stuhl zu sitzen, denn ich finde das als sehr obszön und als Geste des Patriachats, mit seinem Gemächt anzugeben, auch wenn sich kaum einer daran stört; da wird die tiefe Verwurzelung der gesellschaftlichen Geschlechternormen sichtbar: Mann darf das, Frau nicht. Frau darf Rock tragen, Mann nicht. Frau muss brav sein, Mann muss führen. Ja, das ist eine Übertreibung, aber das Prinzip ist aus meiner Sicht heute nicht wirklich überwunden. Sonst gäbe es das Forum vermutlich nicht (mehr).

Wenn ich einen Rock trage, dann bleibe ich ich, der biologische cis-Mann; ich schlüpfe nicht in eine Rolle. Ich bleibe ich. Mit einer Perücke oder Umschnallbrüsten wäre ich verkleidet. Selbst in einem eher erotisch aufgeladenen Kontext (Übertreibung macht anschaulich) im Kleinen Schwarzen mit Pumps, Perlenkette, lackierten Nägeln und Lippenstift, bin ich immer noch der cis-mann; das gleiche Prinzip, als wenn ich im Büro in "männlicher" Kleidung einige der sonstigen normativen Verhaltensregeln für Männer und Frauen ignoriere und ich mich da genauso aus beiden Norm-Töpfen bediene. Im Kleid "spiele ich nicht Frau"; ich lebe meine gewisse Androgynität bzgl. der gesellschaftlichen Normen. Ich gefalle mir im Rock und Kleid - mehr nicht.

Als ich im November von meinem ersten öffentlichen Ausgang im Rock berichtete, war ich halt ein Mann mit einem Rock und schwarzer, blickdichter fsh (es war ja November). Der Rest der Kleidung war so halbwegs unisex. Ich habe mir die Freiheit genommen, die gesellschaftliche Norm zu ignorieren, in der gleichen Art, wie ich sonst vielleicht in einem Café die Beine übereinander schlage. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, noch merkwürdiger beäugt zu werden, als wäre ich als TV im Sinne einer perfekten Frauenkopie unterwegs. Anscheinend wußte man nicht, in welche Schublade ich passe. Aber das ist ein anderes Thema.

Gibt es hier User, die sich da wiederfinden? Die mit Cross Dressing nicht von einer der Geschlechterschublade in die andere wechseln? Die sich in ähnlicher Art und Weise "dazwischen" fühlen, ohne den biologischen Körper in Frage zu stellen? Die sich nicht "umbauen", wenn sie ein Kleid tragen? Bei denen die Ablehnung der gesellschaftlichen Geschlechternormen ebenfalls eine große Motivation zum Cross Dressing ist?

Viele Grüße
Tricky
 
ja, bei mir war das sehr ähnlich. ich habe mich immer als der gefühlt der ich bin, unabhängig davon welche kleidung ich bevorzugte.
du hast das ganz gut beschrieben.
 
Ja klar! Da finde ich mich absolut drin wieder. Ich bin ein biologischer Mann und kleide ich mal mehr, mal weniger offensiv weiblich. Ich mag es mit den Klischees, den Normen mit unterschiedlichen Stoffen und Schnitten zu experimentieren und genieße es mich dem hinzugeben, ohne mich dabei schlecht zu fühlen. Es fällt mir vermutlich deshalb leicht damit auch öffentlich selbstbewusst zu sein, eben weil ich mich nicht verkleide, oder glaube ein bestimmtes Outfit präsentieren zu müssen, etwa weil ich irgendein Bild von mir im Kopf habe, das mich aber nicht authentisch wirken lässt, irgendwie verstellt, sondern ich einfach meinem Gefühl, meiner Stimmung folge - vielleicht so ähnlich wie du auch. Insofern; wenn ich deinen Beitrag richtig verstanden habe, würde ich mich zu dir in den Kreis stellen ;). Du bist nicht allein.
 
Im Prinzip bin ich da bei euch. Ich wollte auch nie eine Frau sein, benötige auch keine Brüste, um mich wohl zu fühlen, seien sie mit Hormonen angeflanscht oder mit Gummi umgehängt.

Ich möchte mich damit keiner Verdächtigung aussetzen, etwas gegen diese Art von Kleidung, Genuss oder Geschlechts – Identifizierung zu haben. Wegen mir kann ohnehin jeder tun und lassen, was er/sie/es möchte, solange man damit niemanden anderen verletzt.

Ich schließe mich also an und sage – ja, ich trage sehr gerne Strumpfhosen (und Leder, Lack, Latex), ich habe äußerst angenehme Gedanken beim sehen oder fühlen dieses Materials. Aber um es mit dem alten Werbeslogan zu skizzieren auch ich „will so bleiben, wie ich bin“.
 
@trickywoo : Du hast ziemlich genau das beschrieben, was ich empfinde.

Ich definiere mich als 'Mann im Rock', trage keine Prücke und kein Makeup, und fühle mich immer als Mann.
 
@trickywoo : Du hast ziemlich genau das beschrieben, was ich empfinde.

Ich definiere mich als 'Mann im Rock', trage keine Prücke und kein Makeup, und fühle mich immer als Mann.
Danke! Ich hatte ja auch ein bisschen über meine Motivation geschrieben. Was ist es bei Dir? Ich erlaube mir so zu fragen, aber habe natürlich keinen Anspruch auf eine Antwort.
 
@trickywoo , kein Problem.
Ich bin aus reiner Neugierde zu SH gekommen. Mich haben die Mädels in Strumpfhosen fasziniert und ich war neugierig wie es sich anfühlt, wenn man Nylonstrumpfbosen trägt. Hab es irgemwann mal ausprobiert und es fühlte sich toll an. Einige Zeit später hat mir die Freundin eines Freundes nach einigen Gläsern Wein angeboten einen Rock anzuprobieren.
In der fröhlichen Stimmung hab ich das gemacht und den Rock den Rest des Abends anbehalten, weil ich es sich gut anfühlte.
SH und Rock trage ich gerne und meine Stimmung hebt sich wenn ich weibliche Kleidung trage, aber es bleibt bei SH und Rock.
Wenn ich nen stressigen Tag hatte helfen Rock und SH, abzuschalten, aber ohne das ich ein Alter Ego aktiviere.
Es hilft mkr einfach runter zu kommen
 
Auch mit Perücke und Schminke und Frauenkleidern fühle ich mich nicht als Frau. Wir sehen das nur als Angleichung bei der Kleidung ans andere Geschlecht.
 
@trickywoo , kein Problem.
Ich bin aus reiner Neugierde zu SH gekommen. Mich haben die Mädels in Strumpfhosen fasziniert und ich war neugierig wie es sich anfühlt, wenn man Nylonstrumpfbosen trägt. Hab es irgemwann mal ausprobiert und es fühlte sich toll an. Einige Zeit später hat mir die Freundin eines Freundes nach einigen Gläsern Wein angeboten einen Rock anzuprobieren.
In der fröhlichen Stimmung hab ich das gemacht und den Rock den Rest des Abends anbehalten, weil ich es sich gut anfühlte.
SH und Rock trage ich gerne und meine Stimmung hebt sich wenn ich weibliche Kleidung trage, aber es bleibt bei SH und Rock.
Wenn ich nen stressigen Tag hatte helfen Rock und SH, abzuschalten, aber ohne das ich ein Alter Ego aktiviere.
Es hilft mkr einfach runter zu kommen
Danke! Du hast „Alter Ego“ als Begriff verwendet. Also das „andere Ich“. Das widerspricht ein bisschen der Idee, dass man sich selbst bleibt. Oder habe ich das überinterpretiert?
 
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