Der Politikthread oder links - rechts - mitte, was denke ich und warum.

Das Fazit ist daraus: Man kann gerne kürzer arbeiten, muss sich dann aber nicht über den Verlust von liebgewordenen Annehmlichkeiten beschweren, besonders dann, wenn die Boomer alle in Rente gehen und keiner weiss, wer die Beiträge für die Umlagerente einzahlt.

Genau das habe ich getan! Kürzer gearbeitet. Ich habe die letzten 15 Jahre nur noch 30 Stunden die Woche gearbeitet und bin am erst-möglichen Tag mit 63 in Rente gegangen. Okay, ich habe etwas Abzüge bei der Rente, aber mal ehrlich: soll ich für nicht mal 50 € Netto im Monat noch zweieinhalb oder drei Jahre länger arbeiten? Weiß ich wie viel Zeit ich noch habe? (weiß ja meist Niemand) . Da bleibe ich doch lieber jetzt schon Zuhause, geniesse meine Freizeit, gehe meinen Interessen nach und LEBE !
 
Schon zu deiner Kritik am Wegfall der telefonischen Krankschreibung frage ich mich, wer braucht die? Die wurde zu COVID-Zeiten eingeführt, um potentielle Infektionen verhindern zu können. Ok. Heutzutage benötigt man in den allermeisten Arbeitsverträgen erst eine Krankmeldung vom Arzt ab dem dritten Tag.
Woraus sich dann ja die Frage ergibt, wieso gerade dieser völlig unerhebliche Punkt in der Pressekonferenz und (damit auch) in allen Nachrichtensendungen als zentraler Punkt für den "Umbruch" für mehr Wirtschaftsleistung präsentiert wird...
 
Dass durchgeknallte Weltpolitiker aus Ost und West die Wirtschaft in Schwierigkeiten bringt hatte niemand wirklich auf dem Schirm.
Entschuldigung, aber wenn das ein Außenpolitiker nicht auf dem Schirm hatte, dann würde ich einen Berufswechsel empfehlen.
Die Notwendigkeit zur Postfossilität war und ist sehr wohl "auf dem Schirm" einiger Politiker und nicht seit gestern, auch wegen der Abhängigkeit von solchen "durchgeknallten Weltpolitikern", sogar bei manchen aus dem konservativen Lager.
 
Ein Arbeitnehmer, der wegen einer, ich nenne es mal Eintagserkrankung, zum Arzt muss, um sich den "gelben Zettel" für einen Tag geben
zu lassen, der wird garantiert um eine, meist auch gleich um zwei Wochen Auszeit bitten
Das halte ich für einen Fehlschluss. Warum? Es muss fast niemand am ersten Krankheitstag zum Arzt, so etwas ist nicht beschlossen worden. Es wird sich lediglich ändern, dass man seinen Hintern in die Praxis schwingt und nicht mit verstellter Stimme telefonisch um eine Krankmeldung ansucht. Fristen sind Regelungen im Arbeitsvertrag, das macht eine Regierung nicht. Nebenbei sind viele Arztpraxen eh dermassen ausgelastet, dass sowieso kaum jemand das Telefon abnehmen kann. Da wird ein Problemchen zum Drama aufgebauscht.
 
Woraus sich dann ja die Frage ergibt, wieso gerade dieser völlig unerhebliche Punkt in der Pressekonferenz und (damit auch) in allen Nachrichtensendungen als zentraler Punkt für den "Umbruch" für mehr Wirtschaftsleistung präsentiert wird...
Da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Aber das scheint mir ähnlich zu sein, wie der berühmte Anmeldezettel im Hotel, der medial gerne für den gesamten Bürokratieabbau als Illustration herhalten muss. Vielleicht ist es einigen Medien zu komplex, Sachverhalte ausführlich zu beleuchten. Das ist aber unter Umständen nicht allein die Schuld der Medien, eventuell ist einfach die Aufmerksamkeitsspanne der Zuhörer oder Leser heutzutage zu kurz dafür, um qualitativ hochwertigen Journalismus zu konsumieren und zu geniessen. Das ist für die Medien schon ein Dilemma.
 
Vielleicht ist es einigen Medien zu komplex, Sachverhalte ausführlich zu beleuchten. Das ist aber unter Umständen nicht allein die Schuld der Medien, eventuell ist einfach die Aufmerksamkeitsspanne der Zuhörer oder Leser heutzutage zu kurz dafür, um qualitativ hochwertigen Journalismus zu konsumieren und zu geniessen.
Mit Verlaub, es waren nicht die Medien, die diesen Punkt in den Mittelpunkt gestellt haben, sondern es war der Kanzler höchstpersönlich in der Pressekonferenz.
Und er tat das in einem Ton, der nahelegte, dass mit dieser bannbrechenden Maßnahme nun endlich die Weichen für ein neues Wirtschaftwunder gestellt werden würden.
Vielleicht ist also tatsächlich das Problem nicht auf Seiten der Zuhörer oder Leser zu finden, sondern doch in einem pseudopolitischen Blendwerk, das unser Kanzler da zu zünden versuchte?
Der gelbe Zettel und diese neue Regelung ändert an unseren strukturellen Wirtschaftsproblemen genau so wenig wie die weiland ins Feld geführten Radwege in Peru oder die strikten Grenzkontrollen.

Ich sehe da eine Marginalisierung durch Polemik, die letztlich auf die gleichen Mechanismen baut, die auch die AfD verwendet, und DAS ist es, was ich einer nach eigener Aussage konservativen und lösungsorientierten Regierungspartei und deren Kanzler Merz vorwerfe.
 
Da stimme ich insoweit sehr zu, bei lösungsorientiertem Vorgehen, denke ich auch zuerst an eine konzertierte Aktion nach Ludwig Ehrhard, auch wenn ich die nur aus den Geschichtsbüchern kenne. Mir fehlt tatsächlich auch der Fokus auf wichtige Themen und vor allem ein kraftvolles Arbeiten beider Regierungslager. Da ist zu viel Klein/Klein und von links vor allem Klassenkampf. Das gefürchtete Profil, das man dem Kanzler vor der Wahl zugetraut und unterstellt hat, ist so nicht vorhanden. Es mag komisch klingen, aber mir fehlt ein bisschen eine Verbissenheit, wirklich gute Ergebnisse zu liefern. Trotzdem sollte man nicht alles sofort am ersten Tag zerreden! Es ist ein Zeichen der Zeit, dass jeder alles besser weiss. Erst wenn er Verantwortung hat, ist es mit den lauten Sprüchen ganz schnell vorbei. Also sollten wir mal sehen, was die Massnahmen bringen, wenigstens einige Tage. Dann ist es immer noch früh genug kritisiert. Besser, die Regierung macht etwas, als sie würde nichts machen. Und am Ende ist der gelbe Zettel, das Ergebnis eines Kompromisses. Ich war nicht dabei und kenne die Details nicht, aber die öffentlichen Auftritte der Arbeitsministerin waren Goldwert für die Comedy-Branche, aber fundierte Politik mit dem Willen zu verbessern, konnte ich da nicht erkennen. Vielleicht liegt nicht alles am Kanzler.
 
... und von links vor allem Klassenkampf
Wir hatten mal einen Wirtschaftsminister von der eher linken Seite.
Dann hatten wir eine Energiekrise, weil Gas knapp wurde, war irgendson Krieg damals.
Wir kamen da aber ganz gut durch, weil der das ganz gut gemanaged hat, wobei er sagte, man könne das ja vermeiden, wenn man verstärkt die Alternativen ausbauen würde, die uns von Öl und Gas unabhängig machen würden.
Eigentlich eine putzige und gute Idee, wie ich fand.

Seine Nachfolgerin von der rechten Seite fand das aber doof, weil es ja konservativerweise doch gut sei, weiterhin wie in der guten alten Zeit mit Öl und Gas zu heizen, und ganz nebenher, weil sie von den Vertretern dieser Industrie immer gut bezahlt worden war und sicher auch in Zukunft würde.
Aber ja, vielleicht liegt nicht alles am Kanzler, wie war das noch mit dieser "Richtlinienkompetenz"?

Warten wir also ab, wie dieses gigantische Konjukturpaket die deutsche Wirtschaft wieder zum Erblühen bringt, dem Klassenkampf zum Trotze!
 
Warten wir also ab, wie dieses gigantische Konjukturpaket die deutsche Wirtschaft wieder zum Erblühen bringt, dem Klassenkampf zum Trotze!
Wird es nicht. Der Kanzler wird schon bald verkünden, dass das unter anderem an dem viel zu großzügigen Wohngeld liegt, das dazu führt, dass die Menschen in Luxuswohnungen leben und ob es tatsächlich nötig ist, das Menschen ohne Einkommen weiterhin kostenlos das Gesundheitssystem in Anspruch nehmen können und ob Bürgergeldempfänger tatsächlich Butter auf dem Brot brauchen. Schließlich müssen doch auch Anreize geschaffen werden.
 
Es fasziniert mich immer wieder, wie die Regierung(en) niedergemacht werden. Wirklich konstruktive Vorschläge für die Herausforderungen unserer Zeit sind dünn gesät. Es hat was von WM: 83 Millionen Trainer wissen, was der offizielle Coach alles falsch macht. Und 83 Millionen Fußballspezialisten würden es auf dem Platz besser machen.

Damit wasche ich bestimmt nicht die Akteure rein. Sie machen Mist (zum Glück passieren ja den meisten keine Fehler), setzen auf Informationen, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht Stand halten (wie die negativen Auswirkungen auf die Produktivität durch einzelne Kranktage). Und manche Ereignisse treten so rasch auf, dass eher improvisiert werden muss als durchdachtes Vorgehen. Tankrabatt und Preiserhöhungsregelung haben nicht wirklich was gebracht.

Hat hier schon einmal einen Politiker (ich meine jetzt nicht den Gemeinderat aus Hintertupfingen) angeschrieben mit sachlichen Vorschlägen? Ich war in Videokonferenzen mit Grsundheitsministern, war bei unserer Ex-Ministerpräsidentin in einer Besprechung und habe mich dort um konstruktive Vorschläge bemüht. Tatsächlich wurde eine Regelung bei der Pflegeversicherung aus dem Entwurf genommen, die für die Bürger nachteilig gewesen wäre. Das könnte jetzt als Lobbyismus betrachtet werden, der ja fast durchgängig negativ besetzt ist. Wer soll denn den Entscheidungsträgern fachliche Zusammenhänge darlegen? Natürlich sind Lobbyisten interessengeleitet, das bedeutet aber nicht generell, dass deren Infos nicht wichtig wären.

Zum Schluss noch ein kleines Beispiel aus jüngerer Zeit: och habe Johannes Steiniger (CDU Bundestagsabgeordneter) nach dem Sinn einer Umweltplakette für Elektroautos gefragt. Er konnte es nicht glauben, dass sie immer noch erforderlich sei.
 
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