Mustererkennung. Ich bin sehr geschickt darin zu erkennen, was Menschen in mir sehen wollen und in bester Chamäleonart genau das zu präsentieren.
Interessantes Gespräch mit vielen Aspekten.
Das kann ich eins zu eins für mich sagen, es hat aber eine ganze Weile gedauert, bis mir das wirklich für mich klar wurde.
Schon als Kind war primäres Ziel bei meiner Aufzucht, dass ich Erwartungen erfülle.
Mein Vater wollte den Ingenieur, der er selbst bedingt durch den Krieg nie ganz werden konnte, meine Mutter wollte einfach ein braves und ruhiges Kind, mein 12 Jahre älterer Bruder wollte den Musiker, der vielleicht anders als er die Musik zum Beruf machte, meine Schwester (14 Jahre älter) wollte den Wortakrobaten, der sie nie war, sie schaffte ihr Staatsexamen als Studienrätin nur gerade so...
Witzigerweise hat sie mir genau das vor kurzem einmal ganz offen gesagt, als es um irgendwas in Verbindung mit Literatur ging, dass ich da ja sehr viel talentierter sei. Sie selbst habe das lediglich irgendwie schaffen wollen, um den sicheren Job als Lehrer, damals ja noch verbeamtet, zu bekommen. Eigentlich interessiere sie dieser ganze Kram ja nicht wirklich.
Ich lief also immer gegen alle möglichen Erwartungen, Jerry Cotton oder Perry Rhodan war keine Lektüre, Musik war eigentlich nur alles bis spätestens Mahler, lange Haare waren tabu, was sollen denn die spießigen Nachbarn denken.
Ich wurde von allem ein bisschen. Cello brachte mich immerhin mit 16 als Jungstudent an die Hochschule, in der Literatur kenne ich mich leidlich aus, mag gute Bücher sehr, Naturwissenschaften mag ich und ein abgebrochenes Ingenieurstudium schmückt auch meinen Lebenslauf.
Bestimmte Dinge konnte ich mir lange nicht erklären, beispielsweise warum ich bei Lehrern und später dann Dozenten irgendwie immer "einen Stein im Brett" hatte, warum sie irgendwie immer davon ausgingen, dass ich das alles konnte, was verlangt war, bevor ich auch nur irgendetwas geliefert hatte.
Bis mir auffiel, dass es eben genau an diesem "Chamäleoneffekt" lag, daran, dass ich unbewusst das spiegelte, das von mir erwartet wurde.
Ein Highlight in der Schulzeit, über das ich heute noch schmunzeln muss, war eine Frage, die unser Religionslehrer, es ging aber gerade um Philosophie, mir stellte.
Ich hob zur Antwort an mit "Ja, ist ja völlig klar..." und bevor ich die eigentliche Anwort geben konnte, unterbrach er mich mit "JA! Ist ja völlig klar!" und erklärte es dann selbst.
Dieses Spiegeln hat mir sicher in vielen Situationen geholfen, es hilft halt ungemein, wenn das Gegenüber immer das Gefühl hat, man sei exakt seiner Meinung, teile mindestens noch seine religiöse Einstellung und sei überhaupt in allem auf seiner Seite, NUR wo ist eigentlich dann das, was man selbst eigentlich sein möchte?
So ab der Bundeswehr und danach dann mal so richtig in der eigenen Studentenbude waren die familiären Zwänge dann ja erstmal in weiter Ferne und das habe ich dann auch in unvernünftigem Maß ausgenutzt.
Später erst habe ich darüber ernsthaft nachgedacht und erst dabei kam ich zu dem Schluß, dass ich eigentlich nie so ganz mein eigenes Leben gelebt habe.
Es gab immer Ventile und ich bin überzeugt, dass auch die Rollenspiele mit Nylons und Kleidchen und meine Exkurse in BDSM dazu gehörten.
Im Grunde habe ich meine Fähigkeiten als Spiegel dabei (halb) bewusst eingesetzt, um dadurch letztlich die Kontrolle zu erlangen.
Und genau hier komme ich nach all dem persönlichen Geschreibsel nun endlich auf das Thema zurück.
Vielleicht muss jeder für sich selbst verstehen, was ein Ausflug "en femme", oder das zeigen seiner Beine in bewusst weiblich konnotierter Strumpfware, oder das Tragen eines Kleids tatsächlich bedeutet.
Das wird für jeden etwas anderes sein und vermutlich ist es selten da zu finden, wo man es eigentlich vermutet.
Das soll jetzt nicht bedeuten, dass es nicht auch transidente Menschen gibt, dessen bin ich sicher, ich spreche hier nur für mich und komme da für mich zu dem Schluß, dass es mir letztenendes keinerlei Mehrwert beschert, mich nun als cis, trans, divers oder fluid zu identifizieren.
Zu dem Thema Gott, ICH-DU hätte ich auch einiges zu sagen, aber ich denke, das würde dann im gesprengten Thema wieder das Thema sprengen
Nichts destotrotz:
Gott zum Gruße
Adrian