Ich hole das Thema mal wieder hoch, weil ich die Frage eigentlich gar nicht so leicht zu beantworten finde.
Für mich ist der Begriff Fetisch erst einmal nichts Schlimmes. Schwierig wird es für mich eher dann, wenn man dadurch sofort in eine Schublade gesteckt wird oder wenn alles nur noch auf diesen einen Punkt reduziert wird.
Bei Strumpfhosen ist das ja sowieso ein etwas spezielles Thema. Feinstrumpfhosen werden heute meist sehr stark mit Frauen verbunden. Bei dickeren Strümpfen, Wollstrumpfhosen oder wärmender Beinbekleidung sieht das aber schon wieder anders aus. Da gab es durchaus Zeiten und Bereiche, in denen Männer so etwas getragen haben, ohne dass daraus gleich ein großes Drama gemacht wurde.
Irgendwann ist das modisch und gesellschaftlich aber ziemlich auseinandergegangen. Gerade als Junge oder heranwachsender Mann bekommt man dann schnell mit: Das gehört sich nicht, das passt nicht, das ist irgendwie nicht vorgesehen. Und genau dadurch wird aus etwas, das man eigentlich mag, plötzlich etwas Heimliches.
Ich glaube, gerade dieses Heimliche kann den Reiz dann auch noch verstärken. Man fragt sich, wird es bemerkt, wird es nicht bemerkt, wie reagieren andere darauf. Das kann natürlich einen gewissen Kitzel haben.
Trotzdem finde ich es auf Dauer schöner, wenn es nicht nur etwas Heimliches bleibt. Wenn man es irgendwann mehr als Teil von sich selbst annimmt, wird es ruhiger und selbstverständlicher. Der Reiz verschwindet dadurch nicht unbedingt, er verändert sich nur.
Wenn ich auf mich selbst schaue, fand ich Strumpfhosen und besonders auch Wollstrumpfhosen eigentlich schon immer interessant, angenehm und schön zu tragen. Da spielt für mich vieles zusammen: Material, Wärme, Tragegefühl, Optik, Erinnerung, Alltag und natürlich auch ein besonderer Reiz.
Ob man das nun Fetisch nennt oder nicht, ist für mich gar nicht der wichtigste Punkt. Ich würde mich gegen den Begriff nicht wehren, aber ich würde mich auch nicht nur darauf reduzieren lassen.
Am Ende kommt es für mich eher darauf an, wie man selbst damit umgeht. Ob man sich dafür schämt, ob man es ständig wegdrückt oder ob man irgendwann sagen kann: Ja, das gehört eben auch zu mir.
Für mich hat das viel mit Selbstakzeptanz zu tun. Es muss nicht das ganze Leben bestimmen, aber es darf seinen Platz darin haben.