Was sind denn "zwiespältige Gedanken"?
Dein Post oben ist Mega interessant. Ich würde später noch darauf zurückkommen. Zuerst zum Zwiespalt. Ausgangspunkt war ein gewisses Hin und Her. Wenn ich jetzt heute das Bedürfnis habe, als Frau gekleidet auszugehen, morgen jedoch der Gedanke überwiegen könnte, dass das unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren ein Fehler ist, dann muss ich das meiner Meinung nach mit mir selbst ausmachen. Das meine ich mit Zwiespalt zwischen, bei dem mir eine KI nicht direkt helfen kann. Warum ist das meine Meinung: Weil rational gesehen und vor allem faktisch gibt es kein Verbot. Aber es gibt die Umwelt, aus der man möglicherweise nicht ausbrechen will. Dann würden eventuell Fragen auftauchen nach den Reaktion anderer oder sogar Auswirkungen auf die restliche Familie. Nicht, dass ich in so einem Zwiespalt stecken würde, aber wenn es so wäre, dann würde ich versuchen, die Fragen zu bewerten und dan entscheiden.
Hier passt das prima hin, was du über Erwartungen geschrieben hast. Natürlich gibt es immer welche. Du konntest dir ja sogar aus einem ganzen Blumenstrauss an Erwartungen etwas aussuchen. Bei mir gab es das auch, aber ich konnte mich relativ bald nach Volljährigkeit emanzipieren und Sachen machen, die nah genug an den Erwartungen lagen und die ich damals aber selbst gerne wollte. Heisst, ich habe ein Studium begonnen, aber so weit entfernt von daheim, dass schon aufgrund der Distanz keine permanente Überprüfung mehr möglich war.
Ich hab’s durchgezogen und es hat meinen Eltern gefallen, dass ich viel selbständiger war als vorher vermutet. Das wäre auch eine These von mir, dass Erwartungen oder sogar irgendwelche Konflikte, die daraus resultieren können, viel weniger auftauchen, wenn etwas räumlicher Abstand vorhanden ist, jedoch kein emotionaler Abstand!
Meine Eltern waren, denke ich, immer noch erstaunt, wie gut das insgesamt alles lief. Auch als ich auf die Idee kam, ins Ausland zu gehen, um die Abschlussarbeit zu schreiben. Das war eine Entscheidung von jetzt auf gleich. Diplomthema gesehen, klang gut, Ausland, klang noch besser. Also angefragt, zugesagt und Erasmus beantragt.
Meine zweite These extra für dich: Vielleicht war dein Stein im Brett nicht unbedingt das Widerspiegeln von Erwartungen als vielmehr das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen.
Mein Leitsatz heisst zum Beispiel: Entscheide immer so, dass du im Nachhinein bei gleichen Bedingungen wieder so entscheiden würdest. Entscheidungen können sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Sie müssen aber möglichst in der Situation richtig sein. Manchmal gelingt das besser, manchmal nicht so gut. Meist aber ganz gut.
So wie damals mit den Erwartungen an das Studium verfahre ich mit vielen Dingen. Ich mag oft ganz gerne, nicht den Mainstream-Erwartungen zu entsprechen. Aber das doch überlegt und absichtlich jedoch ohne Egoismus. Vielleicht bin ich deswegen aber gegen polternde Statements wie „Macht das so, wie es euch gefällt, euch kann keiner etwas,“ Ganz häufig kommt ein positiveres Feedback als erwartet zurück. Wenn man also Erwartungen erfüllt, ohne dabei auch auf die Stimmen rechts und links am Wegesrand zu hören, macht man weder die Erwartenden noch sich selbst glücklich. Wobei, das schiesst mir gerade durch den Kopf, vielleicht sind Erwartungen trotzdem auch immer ein Ansporn. Am Ende kommt es darauf an, wie man alles einordnet. Ein Schüler ist vielleicht weniger begabt im Sport und bekommt für die absolute Leistung keine Goldmedaille. Für sich selbst gesehen, kann der Schüler aber einen Rekord aufgestellt haben. Das müsste viel mehr bewertet werden. Dann würde der Schüler vielleicht von selbst nicht frustrieren und andere kämen vielleicht nicht auf die Idee, den Wettstreit zu unterbinden, damit der Nichtsobegabte nicht frustriert. Ein anderes Thema…