Strumpfhosen in Büchern

Geht mir komplett genauso! Schön zu wissen, dass ich nicht der einzige Spinner bin, der das Wort Strumpfhose schon aufregend findet und im Supermarkt grundsätzlich am Strumpfhosenregal vorbeigeht. :)
Haha, ich bin auch solch ein Spinner. Allein das Wort "Strumpfhose" hat ein dermaßen große, aufgeladene Bedeutung für mich, daß ich es kaum gegenüber anderen Menschen aussprechen kann. Und auch ich gehe sehr gerne durch die Strumpfhosenregale in Supermärkten oder Kaufhäusern. :emoji_blush:
 
Ja, das ist irgendwie schon lustig. Mich interessieren zum Beispiel Strumpfhosenpornos überhaupt nicht. Also wenn sich jemand 1000x über die Beine streichelt, oder so. Das hat überhaupt keine Erotik für mich.
Wenn aber in einem normalen Fernsehfilm, sehr selten, aber eben doch, eine Frau zum Beispiel die Kleidung wechselt und sie dann kurz in Unterwäsche und Strumpfhosen dasteht … das macht mich total an.
Nicht das Inszenierte, sondern das Alltägliche.
Keine Ahnung, ob es euch auch so geht, oder ob ich da eine exklusive Meinung habe.
Das Buch hat mich eben auch deswegen so geflasht bzw. erregt. Weil eben nicht das Utensil Strumpfhose zwecks Erotik hochstilisiert wird, sondern eher nebenbei plötzlich wichtig wird. So etwas triggert mich positiv ganz gewaltig.
Wahrscheinlich bin ich da eher speziell, denn leider sieht oder liest man so etwas kaum in Film oder Literatur.
Bei Murakami kommen öfter mal Strumpfhosen ganz nebenbei vor. In 1Q84 zerreißt die Protagonistin ihre Strumpfhose beim Abstieg über die Notleiter der Autobahn und kauft dann eine neue Strumpfhose in einem Laden. Als sie dann die Verkäuferin fragt, ob sie die gleich im Laden anziehen kann … ein persönlicher Wow- Moment für mich.
Oder, ebenfalls 1Q84: Die Protagonistin wird zu ihrem Schutz in einer Wohnung untergebracht und dort mit allem notwendigen versorgt. Bei der Aufzählung der vorhandenen Kleidung kommen Strumpfhosen vor.
Lächerlichst. Aber mich turnt das an.
Auch in einem anderen Murakami Roman, dessen Namen mir jetzt nicht einfällt, erwähnt er eine Prostituierte, die sich ihre Strumpfhose auszieht.
Bin überzeugt, Murakami hat eine Faszination für Strumpfhosen.
Im Maria-Roman ist es eben ähnlich. Maria trägt berufsbedingt welche (der Roman spielt auch in dem 1980er oder 90ern, damals waren Strumpfhosen auch noch deutlich gängiger), und wird sich nach einer Szene, die sie versehentlich sieht, ihrer eigenen Erregung gewahr, als sie sich umzieht und überrascht feststellt, dass ihre Strumpfhose im Zwickel feucht ist.
Solche Nebenbei-Erwähnungen, die finde ich ich, wie eben auch bei Murakami, einfach geil. Und im weiteren Verlauf gibt es eben weitere Szenen, in denen „versehentlich“ Strumpfhosen relevant werden. Für andere Leser ist das wahrscheinlich komplett egal, aber wenn man so tickt wie ich … 1000x besser als jeder Porno.
 
Nicht das Inszenierte, sondern das Alltägliche.
Keine Ahnung, ob es euch auch so geht, oder ob ich da eine exklusive Meinung habe.

Wahrscheinlich bin ich da eher speziell, denn leider sieht oder liest man so etwas kaum in Film oder Literatur.
vor.

Für andere Leser ist das wahrscheinlich komplett egal, aber wenn man so tickt wie ich … 1000x besser als jeder Porno.
Du bist nicht allein, lieber Cornelius. Mir geht es genauso. Vielen Dank zunächst mal, daß Du dieses Thema hier 'eröffnet' hast und hierüber mit erkennbarer Leidenschaft und mit Niveau schreibst. Das offensive, reißerische, um Aufmerksamkeit bemühte Zurschaustellen strumpfhosenumspannter Beine alleine bringt mir emotional gar nichts. Aber wenn eine Frau oder Transfrau schick, elegant oder schlicht gekleidet ist und die Beine in Feinstrumpfhose scheinbar nur Nebensache sind, so weckt das durchaus meine Aufmerksamkeit. Dies sowohl im wirklichen Leben, als auch in der Literatur. Ich bin eine Leseratte und recherchiere seit einigen Monaten gezielt nach Autorinnen aus den 50er- bis zu den 70er-Jahren, die zum einen eine herausragende Prosa hinterlassen haben und in deren Werken da und dort auf die Kleidung Bezug genommen wird. Und ich bin bereits fündig geworden. Ich werde also in Kürze hier über einige Bücher und meine Gefühle schreiben. Aber zunächst mal wollte ich vor allem Dir (und den anderen geneigten Lesern) nun unbedingt mitteilen, daß auch ich so gestrickt bin und dieses Thema ganz toll und sehr bereichernd finde.
 
Ich bin über jeden Literaturtipp dankbar!
Solltest du dir den Euro für das Buch gönnen, würde mich auch interessieren, wie du die Darstellungen - oder eigentlich besser: die Erwähnungen - fandest.
 
Ich habe in jungen Jahren gern Trivialliteratur von Simmel und Konsalik gelesen (als Gymnasiast in SPO= verpönt) und habe mich dabei immer gefragt, trägt die weibliche Hauptperson zum Rock/Kleid noch Strapse oder schon FSH? (60er/70er Jahre) .Es wurde nie von den beiden Autoren erwähnt.
Konsalik las ich damals auch - mit Strumpfhosen hatte der nichts am Hut. Die Romane waren aber trotzdem gut.
 
Die folgende Textpassage ist aus einem utopischen Roman von Guido Morselli aus dem Jahre 1977 mit dem Titel "Dissipatio humani generis" (in deutsch: Das Verschwinden der Menschheit). In der groben Beschreibung der Handlung werde ich mich ganz kurz fassen. Die konkrete Textstelle in Bezug auf Strumpfhosen gebe ich wörtlich wider.

Handlung:
Am 2. Juni um 2 Uhr morgens verschwindet die gesamte Menschheit, lautlos und ohne Spuren zu hinterlassen. Zurück bleiben die Sachen und die Tiere, die sich schon bald mit wachsender Furchtlosigkeit hervorwagen, um die Erde wieder in ihren Besitz zu nehmen. Übriggeblieben ist außerdem: ein einziger Mensch, ein Einzelgänger, der mit der Welt nicht zurechtkam und sich in ebendieser Nacht das Leben nehmen wollte. In einer paradoxen Umkehrung wird der verhinderte Selbstmörder nun zum einzigen Repräsentanten menschlichen Lebens, zur Menschheit schlechthin. Offen bleibt dabei die Frage, ob er, der einzig verschont Gebliebene, ein Auserwählter oder ein Verdammter ist. In dieser unfreiwilligen Einsamkeit geht er nun völlig ungestört und frei in verlassene Gebäude, in Schwimmbäder und in Kaufhäuser, in denen er sich in aller Ruhe Artikel nehmen kann wie er will.

Dann im Kaufhaus (er schreibt in der Ich-Form):
"Ich werde mir die Strumpfhose anziehen, einen (überflüssigen) Strapsgürtel mit hellblauen Blümchen und mein riesiges Spitzenhöschen. Meine Fettleibigkeit, die zugenommen hat, passt nicht schlecht zu diesen unüblichen Accessoires, auch wenn die Muskelmassen das Nylon der Strümpfe gefährlich dehnen. Am Abend beim Ausziehen fühle ich keinerlei Erregung, weder physisch noch psychisch; diese behaarten und kräftigen Beine wirken nur clownesk unter dem schwarzen Schleier. Ich glaube, dass ich meinen 'Transvestitismus' auch auf die Oberkleidung ausdehnen werde, lediglich aus Bequemlichkeit: Die weibliche Bekleidung ist, seit die dumme Mode der Damenhosen aufgehört hat, einladend; in dieser Jahreszeit trägt man nicht schwer daran. Ich habe bereits ein weißes Kleidchen mit roten Mustern gesehen, Rock und Jäckchen. Jedoch keinerlei Autoerotik; meine Sexualität ist mir nie abweichend erschienen, und seit einer Weile, jetzt, liegt sie überhaupt darnieder; wie sie es muss. Keinerlei Anzeichen bei von irgendeiner Gestörtheit: Mein Verstand hält sich aufrecht, präzise und unwiderlegt."

Dieser Roman und insbesondere diese Textstelle im Roman hat mich bereits vor 30 Jahren fasziniert. Morselli ist ein wunderbarer, präziser Erzähler, der diese Einsamkeit, verbunden mit einer unerhörten Freiheit in ihrer ganzen Tragik, aber auch in einer besonderen, feinen Komik beschreibt.
 
Ich liebe gute literatură weil das ist hi Level art wie music.
Strumpfhose interessiert mich da nicht. Nur in real life, aber in Buch oder televizor hat das nie importanz für mich
Literatur wie ich verstehe ist artistic, wie Bilder malen, sculptura und music, wir sind in diesen sector wie Familie!
 
Danke sehr für den Tipp! Ich muss zugeben, das Werk war mir unbekannt. Ganz unabhängig von der Erwähnung der Strumpfhosen bzw. des Nylons klingt der Plot sehr interessant!
 
Danke sehr für den Tipp! Ich muss zugeben, das Werk war mir unbekannt. Ganz unabhängig von der Erwähnung der Strumpfhosen bzw. des Nylons klingt der Plot sehr interessant!
Sehr gerne, Cornelius. Das Buch dürfte im normalen Buchhandel nicht mehr erhältlich sein, so dass ich - bei Interesse - auf Medimops oder booklooker gehen würde. Ich finde den Roman, unabhängig von dieser Szene im Kaufhaus, unheimlich interessant und sehr lesenswert. Aber mein Lesegeschmack ist nicht jedermanns Geschmack. Ich habe noch ein paar Romane und Erzählungen von Marlen Haushofer aus den 50er- und 60er-Jahren, in denen vereinzelt Szenen mit Bezug auf Nylons vorkommen. Ich muss diese Werke demnächst dahingehend nocjmal "durchforsten".
 
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