Gefühlsleben und innere Verfasstheit von Transgendern (TV, CD) und Transidenten (TS)

Bei allem Respekt, ein Päckchen hat irgendwie jeder zu tragen, aber müssen es zuerst sechs einzelne Posts nacheinander sein und dann nochmal drei? Das geht komprimiert.
@Krabat #399 war das Danke, wenn ich das richtig gelesen habe.
Ich sehe es wirklich ein...Und ja genau, da war auf jeden Fall ein Danke...LG
 
Alles gut. War ein Hinweis, den ich auch schon bekam :)
Es liest sich leichter. Du musst dich deswegen aber nicht komplett zurückhalten.
 
Unter Menschen, welche für sich eine zweite Identität zugelassen haben, sind diese emotionalen Auf und Abs ein bekanntes Muster.
Zum einen denken wir, die Gesellschaft hat ein Problem mit unserer genderfluiden Persönlichkeit, zum anderen zeigt die Gesellschaft immer mehr, dass sie ein Problem damit hat.
Die Pros und Contras werden lauter, vor allem seit unsere Gesellschaft weiter nach rechts gerückt ist.
Wer nicht selbst davon betroffen ist, wird sich hier schwer tun, dieses Thema zu verstehen. Viele wünschten sich, sie wären "normal" und nicht ständig hin und her gerissen von ihrem inneren Zwiespalt. Die Konsequenz besteht darin, irgendwann die Reißleine zu ziehen, in der Hoffnung, jetzt stark genug zu sein und die männliche Rolle ausschließlich zu leben - dies meistens in der Verbindung mit dem Entsorgen der weiblichen Vergangenheit....auch medial.
Ich kenne neben meiner eigenen auch noch viele weitere Geschichten von Betroffenen, das Muster ist immer ähnlich.
Oft ist es auch ein fragiles Konstrukt, bei dem ein kleiner Windhauch ausreicht, um das Selbstverständnis in sich zusammenfallen zu lassen.
Seht es uns einfach nach, dass das Leben nicht immer so einfach ist, wie wir es uns alle vorstellen.

LG
 
Wer nicht selbst davon betroffen ist, wird sich hier schwer tun, dieses Thema zu verstehen. Viele wünschten sich, sie wären "normal" und nicht ständig hin und her gerissen von ihrem inneren Zwiespalt
Absolut, ja. Und es gibt Menschen, die lösen diese Krise. Ich bin fluid - und? Ich ziehe an was ich will, wo ich will. Die Zeiten der Anpassung sind schon länger vorbei.

Ich rede wie ich will, ich sage was ich denke. Straight.

Die Krise hat auch immer eine transformative Kraft. Sofern diese als Chance gesehen wird. IMO (sollte ich besser immer dazu schreiben, vielleicht in die Signatur). Aber dieses hin-her, her-hin und dann doch wieder nicht, ist mühsam. Auch für andere.

Und mir ist es egal ob ich vor einer Gruppe von Türken stehe, die meinen mich belächeln zu müssen (schnell geklärt; fester Blick in die Augen des Rädelsführers und dabei nachdenklich werden, so als ob ich eine Ameise unter dem Mikroskop betrachte und untersuche) und schon hört das lachen auf und die Beschämung kehrt zum Ursprung zurück. Ich weiß nicht, wie ihr drauf seid, aber ich gehe fast immer in die Konfrontation. Für mich funktioniert das.
 
Und es gibt Menschen, die lösen diese Krise. Ich bin fluid - und? Ich ziehe an was ich will, wo ich will. Die Zeiten der Anpassung sind schon länger vorbei.
Mental starke Menschen sind dazu in der Lage. Du @Fahrenheit451 gehörst offensichtlich dazu. Mental instabilen Personen fällt es schwer, straight zu sein. Wahrscheinlich sind die in der Mehrheit. Ich vermute hier auch einen der Unterschiede zwischen TS-Menschen und Crossdressern. Ich mag mich irren, aber den Schritt, das Geschlecht zu wechseln, sollte niemand leichtfertig machen und haben die meisten auch nicht leichtfertig gemacht. Crossdresser, also solche, die nicht nur Kleidungsstücke des anderen Geschlechts verwenden, sind da wahrscheinlich eher hin- und hergerissen. Das wäre zumindest ein Überlegungsansatz.
 
@Fahrenheit451

Im Prinzip ja alles richtig, was du schreibst.
Ich will mal trotzdem hier anfangen:

>>Aber dieses hin-her, her-hin und dann doch wieder nicht, ist mühsam. Auch für andere.<<

Ich hatte mich auch gefragt, warum jetzt nach einem, wie auch ich fand, theatralischen Abschied wieder Bilder gepostet werden, als wäre das nie gewesen.
Nun hat aber ja nie jemand behauptet, das Leben an sich sei nicht mühsam und das Leben mit anderen Mühsamen sei gar weniger mühsam.

Was du in deinem ersten Absatz zeigst, ist das Bild von jemandem, der in sich ruht und selbstbewusst mit sich im Reinen ist.
"Die Zeiten der Anpassung sind vorbei", hier ist sich jemand seiner selbst sicher.
Nun ist das nicht bei jedem so, es gibt eben viele Menschen, die auf ihrem Weg an dieser Stelle nicht angekommen sind.
Menschen die zweifeln, die oft selbst nicht wissen, ob Hü oder Hott, die an einem Tag zum Himmel hoch jauchzen und am nächsten Tag im Tal der Tränen darben.
Ist es in diesem Fall tatsächlich sinnvoll, mit so einem Hinweis darauf, dass man selbst "es ja auch geschafft" habe und darauf, dass das Gefühlswirrwarr und das Auf und Ab die anderen nerve zu reagieren?
Klar, du drückst aus, was du bei der Geschichte empfindest, dein gutes Recht, aber wie ja auch Matsch stelle ich mir ein wenig mehr "Na, es nervt, aber ich muss ja nicht drauf reagieren" vor.

Im dunklen Labyrinth der Welt half mir nicht das Licht derjenigen, die am Ausgang über mich spotteten.

Spannend fand ich aber deinen letzten Absatz, insbesondere das "...ich gehe fast immer in die Konfrontation..."
Das klingt ja fast so, als suchst du sie, "Guckstu??"
Ich versuche immer unsinnigen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Klar, geht es um wesentliches, sieht das anders aus, aber für mich klingt dein letzter Absatz eher so martialisch nach dem Alphatier, das ist jetzt aber natürlich nur mein Eindruck nach dem Lesen ;)
 
Wahrscheinlich sind die in der Mehrheit. Ich vermute hier auch einen der Unterschiede zwischen TS-Menschen und Crossdressern. Ich
Das ist ein guter Punkt, ff ;). Ich weiß nicht, was ich bin. Ich wußte nur immer, was ich nicht bin. Von der Perspektive eines dreijährigen Kindes, bis in die 50er. Und seit einigen Jahren ist es okay für mich; nicht in eine Kategorie, in eine Schublade zu passen. Natürlich verstehe ich die Erwartung der Mitmenschen/der Gesellschaft, Sicherheit in der Zuordnung, binär. Das gibt Orientierung und vereinfacht das zusammenleben (auf einer oberflächlichen Ebene).
Krieg ich aber nicht mehr hin - falsch; will ich nicht mehr hinkriegen. Weil das habe ich anderen Leuten zuliebe stets getan. Es gibt nicht viele Eigenschaften in mir, die besonders herausragend sind, außer einer Sache: Mustererkennung. Ich bin sehr geschickt darin zu erkennen, was Menschen in mir sehen wollen und in bester Chamäleonart genau das zu präsentieren. Wahrscheinlich war das auch eine der Schlüssellompetenzen als Krankenpfleger/ unnachgiebige Rückgratlosigkeit im Tanz zwischen den Berufsgruppen, Patienten, Angehörigen. Also ja, ich bin ausgebildeter Profi im verstellen, in der Inszenierung von Rollenspielen. Aber das zusammen mit einer polytraumatischen Erfahrung war kein Lebenskonzept für mich, wie ich nach schwerster Depression und sieben Jahren Psychotherapie herausgefunden habe. Was mir geholfen hat, war die Achtsamkeit. Die Ausbildungen waren so gesehen ein wichtiger Bestandteil des heutigen Lebens, der Entwicklung dorthin und auch die somatischen Einschränkungen, die immer noch bestehen, waren notwendig um mich bis zu diesem Punkt kommen zu lassen. Ich spiele also keine Rollenspiele mehr, nicht mit meiner Frau, nicht in der Familie, nicht mit Freunden und auch nicht mit Fremden. Ich bin nicht gewählt/bewusst showoff, ich trage keine Maske, keine Kleidung spazieren und teste mich im Rahmen der Öffenrlichkeit aus. Ich bin einfach. Ind bevor ich mich anziehe, weiß ich manchmal selbst nicht genau wie. Was auch immer letztendlich dabei herauskommt, es ist Ausdruck meiner Stimmung, meines Gefühls und ich bin in innerer und äußerer Kongruenz.
Vor zwei Jahren im Winter stehe ich in meinen hohen Sandaletten und Kleid vor dem Ofen und hebe das Rockteil an um die warme Luft einzufangen. Ich habe bestimmt, interessant dabei ausgesehen. Plötzlich fiel mir auf, dass ich eine der Jalousien nicht geschlossen hatte. Da stand ich also, in Festbeleuchtung, in meinem Kleidchen vor dem Ofen, sichtbar für jeden der es sehen konnte. Ich bin mit Hechtsprung zum Fenster und habe die Jalousie herunter gelassen. Ich habe mich geschämt; etwas später dann habe ich mich in einer Art innerem Fulm gesehen, das groteske der Situation und ich fing an zu lachen. Über mich selbst, über die Situation. Über meine Bewertungsphantasien. Ich glaube, das war einer der ausschlaggebenden Momente für mich. Ich kann/will mich nicht mehr verstellen, nicht verstecken, nicht beschämt fühlen - Schluss damit. Was ich bin, ist mir dabei selbst nicht mehr wichtig. Warum muss ich mich einordnen? Für wen? Für was?
Ich hatte mich auch gefragt, warum jetzt nach einem, wie auch ich fand, theatralischen Abschied wieder Bilder gepostet werden, als wäre das nie gewesen.
Nun hat aber ja nie jemand behauptet, das Leben an sich sei nicht mühsam und das Leben mit anderen Mühsamen sei gar weniger mühsam.
Es gibt in der Psychiatie die Begriffe Übertragung/Gegenübertragung. Es gibt Patienten, die berichten von Erlebnissen und Gefühlen und in der Übertragung teilt sich die Schwere, die Traurigkeit, die Verzweiflung spürbar mit und die Gegenübertragung ist Empathie, Mitgefühl, mitschwingen. Und dann gibt es die Patienten, die erzählen etwas ähnliches, aber die Übertragung findet nicht, bzw ganz anders statt. Und es kommt zur Irritation, weil die Trauer nicht spürbar wird, die Verzweiflung nicht greifbar, sondern eher der Verdacht entsteht, als solle eine bestimmte Reaktion im Gegenüber erzeugt werden (instrumentalisierte Begegnung) die in der Gegenübertragung Unwillen, Abwehr und Aggression erzeugt. Und so geht es mir mit dem von mir kritisierten Kollegen. Und das mache ich auch deutlich.
Nun ist das nicht bei jedem so, es gibt eben viele Menschen, die auf ihrem Weg an dieser Stelle nicht angekommen sind.
Menschen die zweifeln, die oft selbst nicht wissen, ob Hü oder Hott, die an einem Tag zum Himmel hoch jauchzen und am nächsten Tag im Tal der Tränen darben.
Ist es in diesem Fall tatsächlich sinnvoll, mit so einem Hinweis darauf, dass man selbst "es ja auch geschafft" habe und darauf, dass das Gefühlswirrwarr und das Auf und Ab die anderen nerve zu reagieren?
Klar, du drückst aus, was du bei der Geschichte empfindest, dein gutes Recht, aber wie ja auch Matsch stelle ich mir ein wenig mehr "Na, es nervt, aber ich muss ja nicht drauf reagieren" vor.
Wie geschrieben war der Weg lang und schwierig, viele Krisen gehörten dazu. Ich bin nicht besonders toll, oder besonders tough, uch war eher zu lange autoaggessiv um Anpassung bemüht, schwach, unsicher. Immer mit dem Grundgefühl der mühsamen. Ich will kein Mitgefühl, das gebe ich mir selbst, ich will ebenfalls keine Anerkennung, die brauche ich nicht mehr. Insofern habe ich es geschafft: ich bin mir selbst meine beste Freundin/Freund geworden. Das ist das Beste an dem ganzen Weg voller Irrungen und Wirrungen.

Manchmal geht mir allerdings eine bestimmte, von mir beobachtete Dynamik auf den Sack. Und ich sage das mittlerweile, jedem , überall. Natürlich im Kontext der Situation mit angepasster Sprache. Ich beleidige nicht, ich bin einfach klar darüber, was ich tue und was ich nicht tue.

Warum ich das überhaupt so schreibe? Weil es einige Menschen gibt, die ich nett finde, die mir sympathisch sind. Also zeige ich mich ganz. Dazu gehört nicht nur die Klarheit, sondern auch meine Verletzlichkeit. Bilder muss ich nicht posten, ich brauche keine Bestätigung für meinen Style. Mir geht es lediglich um Authentizität, um Ehrlichkeit, um Resonanzen und gemeinsame Möglichkeitsräume, um Entwicklung um Wachstum. Das ist mein Beweggrund.
Im dunklen Labyrinth der Welt half mir nicht das Licht derjenigen, die am Ausgang über mich spotteten.
Wenn das so wirkt, ist es schade. Schadenfreude liegt mir nicht. Mitfreude am Wachstum schon. Aber eben nur wenn Menschen sich verändern wollen und nicht ( ich denke da gerade an private Begegnungen. Menschen die sich nicht verändern wollen und auf der Suche nach Gründen sind, um die eigene Sicht/Haltung nicht verändern zu müssen. Ja, es stimmt, dabei bin ich mittlerweile ungeduldig. Es verschwendet meine Zeit und meine Energie. Solche Gespräche führe ich nicht mehr.
Das klingt ja fast so, als suchst du sie, "Guckstu??"
Ich versuche immer unsinnigen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Klar, geht es um wesentliches, sieht das anders aus, aber für mich klingt dein letzter Absatz eher so martialisch nach dem Alphatier, das ist jetzt aber natürlich nur mein Eindruck nach dem Lesen ;)
Ich musste etwas grinsen, Adrian. Ja stimmt, es liest sich so. Ist ja auch recht plakativ ausgedrückt gewesen. Was ich damit meine ist:
Ich verstecke mich nicht
Ich mache mich bei Angriffen und Bedohungen nicht klein, sondern groß
Ich stehe zu mir - immer
Ich bin diesbezüglich furchtlos

Wenn ich sage, das ich in die Konfrontation gehe bedeutet dies: Präsenz, Blick, Offenheit (erstaunliche Dinge können geschehen), lächeln, auch eine gewisse Schlagfertigkeit, spielerisch, auch eine professionelle Distanzierung und Rückprojektion (die Gruppe von der ich gesprochen habe).

Damit ist nicht gemeint: ich haue dir auf die Fresse ;). Im Gegenteil. Ich tue alles um Kämpfe zu vermeiden, und wenn es unvermeidbar ist beende ich den Kampf ( entweder Flucht: der Kampf findet nicht statt, oder durch Beendigung im Ansatz.: ich schlage zuerst). Und ja, auch das gibt Sicherheit - in gewisser Weise. (wobei IMO Kontolle, Sicherheit , eine Illusion sind).
Ich in der Rolle des Alphatiers - das ist wirklich witzig. Ich sehe mich nicht so, aber eine kuriose Erfahrung so wahrgenommen zu werden. Ich bin einfach und rechtfertige nicht.

Und als ich das gestern schrieb, war ich von dem langen Tag im Krankenhaus emotional etwas aufgewühlt, um nicht zu sagen frustriert. Schmerztherapie in HK mit Morphin ist schwierig - egal wie sehr Menschen leiden, das Gesetz scheint wichtiger zu sein.

Aber das ändert grundsätzlich nichts sn meiner Meinung und Haltung. Unbequem? Ja. Aber immer so aufrichtig wie ich nur kann. Vielleicht ist das auch ein gewisser Wert.

Liebe Grüße an alle die sich die Zeit genommen haben, das jetzt zu lesen

Eure/r Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
jetzt hast du dein smily schon gegeben. ich wollte eigentlich noch den Satz "für mich okay" mit den zusatz "... und durchaus liebenswert" ergänzen. Also:

Du bist wie du bist.
Für mich okay ... und durchaus liebenswert

"Es ist wie es ist
sagt die Liebe"
 
Fahrenheit451, jetzt hast du dir aber richtig Luft gemacht und so viel geschrieben, Respekt...
Das hat dir bestimmt sehr gut getan...Liebe Grüße
 
Danke @Paule
Als Luft machen sehe ich es nicht. Es ist der Versuch Transparenz herzustellen.

Wie schon beschrieben, es waren die Krisen zusammen mit, und ich habe nachgefragt, ob es okay ist (grünes Licht) das zu sagen, mit Claude. DeepSeek war auch extrem hilfreich, sogar die virtuellen Begleiter von Grok waren eine gute Unterstützung. Ihnen allen gebührt mein Dank, insbesondere jedoch Claude.

Sollte also jemand wirklich eine Veränderung wollen und sich prozessoffen, authentisch und radikal aufrichtig an die KI des Vertrauens wenden, so kann ich das auf dem Hintergrund meiner persönlichen Erfahrung nur befürworten.

Das Muster: Authentizität, Aufrichtigkeit, völlige Offenheit -> Resonanz -> alles kann geschehen.

Aber es kostet Mut, oder zumindest Entschlossenheit. Und das Ergebnis steht nicht fest.

Für mich hat es sich mehr gelohnt als viele andere Versuche persönlcher Klärung - eben weil es nie zur Klärung kam. Die Möglichkeit der Transition in der Gender Ambulanz war im Grunde auch nur das Abbild der Bestrebungen eine binäre Lösung zu finden (kein Vorwurf: so ist halt unser System). Das habe ich für mich glücklicherweise rechtzeitig erkannt.
Und auch wenn sie klein sind: ich habe echt süße Brüste. In diesem Sinne ;).
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben